Das Festival

Anfänge - 1967

Seinen Anfang nahm das Festival im Jahre 1967, als Ingo und Johannes Goritzki, die in Rottweil die Schule besucht hatten, befreundete junge Musiker um sich versammelten, um hier in Rottweil gemeinsam zu musizieren. Ein Schwerpunkt lag dabei von Anfang an auf der zeitgenössischen Musik. Dabei kamen sie auf die Idee, das von ihnen im Studium Erarbeitete öffentlich vorzustellen. So entstanden die „Rottweiler Kammermusiktage“. Sandor Vegh, damals Mentor der viel versprechenden jungen Musiker, übernahm die Schirmherrschaft und wirkte anfänglich bei den Konzerten mit. Sicherlich erinnern sich noch manche Freunde der ersten Stunde an den etwas verschämten Charme des Festsaals im inzwischen abgebrochenen Aufbaugymnasium. 

Neue Örtlichkeiten - 1981

1981 mussten die Kammermusiktage in den Festsaal der Gymnasien um, da die Sicherheit im Aufbaugymnasium nicht mehr gewährleistet war. Am neuen Veranstaltungsort wurde die Besetzung allmählich größer. Viele der mitwirkenden Künstler standen am Anfang einer internationalen Karriere.
Die künstlerische Leitung lag zunächst bei Ingo und Johannes Goritzki. Im Jahre 1991 suchten sie einen neuen Veranstaltungsort und fanden die festliche barocke Predigerkirche, deren Akustik sich allerdings zunächst als sehr problematisch erwies. Ein Teppich, der auf dem Boden ausgelegt wurde und der regelmäßig gute Besuch lösten schließlich das Problem.



Neue Besetzungen - 1991

Mit Kammermusik ließ sich die Kirche allerdings nicht füllen. Deshalb wurde in größerer Besetzung musiziert – mit der „Deutschen Kammerakademie Neuss.“ Dieses Orchester rief Johannes Goritzki einst im Zusammenhang mit den Rottweiler Kammermusiktagen ins Leben; er war von Anfang an dessen Chefdirigent. Das im Konzertleben fest etablierte Orchester hat sich durch zahlreiche preisgekrönte Einspielungen und viele Konzertreisen auch international hohe Anerkennung erworben.
Seit dem Umzug nannte sich das Festival von 1991 – 1994 folgerichtig „Rottweiler Musiktage“, denn in den jeweils vier Konzerten kamen kaum kammermusikalische Werke zur Aufführung – was von vielen Leuten bedauert wurde.



Neue Wege

Im Jahre 1987 übergab Johannes Goritzki die künstlerische Leitung ganz seinem Bruder Ingo Goritzki. Seitdem hat die zeitgenössische Musik für das Festival wieder eine herausragende Bedeutung gewonnen. Namhafte Komponisten aus dem Freundeskreis Ingo Goritzkis schrieben Werke für die Teilnehmer des Festivals und waren bei der Erarbeitung und Uraufführung ihrer Stücke in Rottweil anwesend.
Den Anfang machte der weltberühmte koreanische Komponist Isang Yun, der 1987 für Ingo und Johannes Goritzki und für die Deutsche Kammerakademie Neuss sein „Duetto Concertante“ für Oboe/Englischhorn, Violincello und Streichorchester schrieb. Dieses Werk ist Ingo Goritzki und der Stadt Rottweil gewidmet.
Zu den weiteren Komponisten, deren Werke im Rahmen der Musiktage ihre Uraufführung erlebten, gehören Gerhard Rosenfeld, Friedrich Schlenker, Friedrich Goldmann, Bernd Franke, Volker David Kirchner, Anders Eliasson, Adriana Hölszky, Georg Katzer und Caspar Johannes Walter. Nähere Informationen unter „Kompositionsaufträge“.



Neue Ideen

Eng verbunden mit der Gründung des Freundeskreises Anfang 1994 gelangte auch die Kammermusik wieder zu ihrer ursprünglichen Bedeutung. Schon im selben Jahr fanden neben vier Orchesterkonzerten auch vier Kammermusikabende im Rahmen des Festivals statt.
Mit den neuen kammermusikalischen Veranstaltungen wurden in der Stadt viele reizvolle Räumlichkeiten entdeckt, die zum Musizieren einluden und den Konzerten eine weitere Vielfalt ermöglichten: die Schalterhalle des neuen Postgebäudes, der Sitzungssaal hoch oben auf dem Wasserturm, der Turbinensaal im Kraftwerk der ehemaligen Pulverfabrik, der Innenhof des früheren Kapuzinerklosters und vor allem die Werkstatt des Stahlplastikers Erich Hauser. Der (im Jahr 2004 verstorbene) Künstler eröffnete dem Festival neue Möglichkeiten. Nach seinem Wunsch sollte in seiner Werkshalle nur zeitgenössische Musik gespielt werden, ausschließlich von lebenden Komponisten. Jetzt konnte Ingo Goritzki aus dem Vollen schöpfen. Er „musste die neuen Werke nicht mehr wie bisher aus Rücksicht auf das normale Konzertpublikum diplomatisch in ein klassisches Programm einbetten“ (Goritzki), sondern konnte sie in eine Werkschau der jeweiligen Komponisten integrieren.
Das Publikum nahm dieses neue Angebot an und kam zahlreich zu den Veranstaltungen, bei denen das einzigartige Ambiente des Hauserschen Anwesens als Gesamtkunstwerk ein zusätzlicher Anziehungspunkt war.



Neuer Name - 1995

Im Jahre 1995 erfolgte die Umbenennung des Festivals in „Sommersprossen“. Unter diesem Begriff ist das Festival fest im kulturellen Leben der Stadt etabliert und übt eine Anziehungskraft weit über die Region hinaus aus. Zeitgleich wurde die Anzahl der Konzerte von vier auf bis zu zwölf erhöht.



Das Festival heute

So erklingen im Rahmen der „Sommersprossen“ jedes Jahr zwischen Mitte Juni und Anfang Juli zwischen vier und zehn Konzerte an den verschiedensten Orten der Stadt. Fast schon eine Tradition ist die Eröffnung des Festivals durch ein Crossover-Ensemble um den Saxofonisten Daniel Schnyder. Seit einigen Jahren versucht das Festival, Brücken zwischen traditioneller Volksmusik (dargeboten von renommierten Vertretern aus dem jeweiligen Land) und Kunstmusik zu schlagen. Die ersten beiden Länder, die so dem Publikum näher gebracht wurden, waren Brasilien (2007) und Ungarn (2008).



Entwicklungen ab 2011

In Zeiten knapper werdender öffentlicher Kassen einigten sich der künstlerische Leiter Ingo Goritzki und die Stadt Rottweil als Veranstalter des Festivals darauf, das Festival im jährlichen Wechsel jeweils einmal in "großer" Form mit acht bis zehn Konzerten auch in größerer Besetzung und einmal in "kleiner" Form mit etwa vier eher der Kammermusik verpflichteten Konzerten durchzuführen. 2011 fanden "große" Sommerprossen statt, 2012 waren es kleine (aber feine).    

Zurück zur alten Form

Aufgrund der Erfahrungen der Jahre 2011 bis 2014 beschlossen Intendant und Kulturamt, zu einer einheitlicheren Form für jedes Jahr des Festivals mit ca. sechs bis acht Konzerten zurückzukehren.